Dienstag, August 14, 2007
Jesus liebt mich - bedingungslos?
In der vergangenen Woche habe ich öfters im 14. und 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Jesus seine Liebe zu uns durchaus von Bedingungen abhängig macht. Schlagworte wie "Jesus liebt dich bedingungslos", "Jesus liebt dich so wie du bist", kommen sofort in den Sinn. Was sagt Jesus wirklich? "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren" (Joh 14, 21). Jesus dreht hier alles auf den Kopf: "Zuerst halte meine Gebote, dann wird der Vater dich lieben und dann werde ich dich lieben und mich dir offenbaren". In Kapitel 15 fordert er seine Jünger auf, in seiner Liebe zu bleiben. Wir fragen, wie können wir denn in der Liebe, die Jesus für seine Jünger hat, bleiben? Vers 10 gibt uns Antwort: "Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe geblieben bin." Damit wir uns nicht falsch verstehen. Die Liebe Jesu zu seinen Erwählten ist eine Liebe, die er schon vor der Grundlegung der Welt zu ihnen hatte. Diese Liebe ist tatsächlich bedingungslos. Keiner der Erwählten hat diese Liebe empfangen, weil er ihrer würdig gewesen wäre oder sie sich durch gute Werke verdient hätte. Trotzdem liebt Jesus seine Erwählten nicht einfach uneingeschränkt, egal wie sie sich benehmen und verhalten. Jesu Liebe ist keine sentimentale Liebe, die keiner Fliege was zu Leide tun kann. Er freut sich nicht über uns, wenn wir seine Gebote nicht halten. Er freut sich nicht über uns, wenn wir ihn belügen. Da kann er auch schon mal jemanden tot umfallen lassen (Apg 5). Er freut sich nicht über uns, wenn wir Angst vortäuschen, die in Wirklichkeit Faulheit ist. Seine Liebe zu uns nötigt ihn manchmal, uns seine Liebe zu entziehen, wenn man das so sagen darf. Er wird zornig über seine Jünger. Er "schimpft" mit ihnen. Er beschämt sie. Er entzieht ihnen das Bewusstsein seiner Liebe. Das alles natürlich aus Liebe. Das Bewusstsein seiner Liebe ist also in gewissem Sinne vom Halten der Gebote abhängig. So gesehen könnte man einem Christen, der nicht sicher ist, ob Jesus ihn wirklich noch liebt, fragen, "liebst du Jesus indem du seine Gebote tust? Dann liebt er dich".
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1 Kommentar:
Der Autor hat der Theologie einen Bärendienst erwiesen mit dieser "Auslegung". Wenn Jesus sagt: Liebt ihr mich so haltet ihr meine Gebote - dann heisst das nicht, dass man erst die Gebote halten müsste, sondern dann heisst das dass wenn Jemand Gott liebt dies sich darin zeigen wird, dass er die Gebote beachtet. Gott lieben kann Jemand aber nur dann, wenn er zuerst erfährt, dass er von Gott geliebt ist, und das ist Gnade um die man nur bitten kann, wenn man sie noch nicht erlebt hat.
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